Zucht- Aufzucht - Show

von A - Z

 (Autorin: T. Paar / Co - Autorin: Dr. N. Jentzsch)

 

  Ausstellungstermine des MFD BD e.V.

 

 

Abgestorbene Babys, siehe auch Müttersterben

Fühlt man bei abtasten des Bauches keine Bewegungen der Babys mehr, sollte man zur Überprüfung, ob noch Herztätigkeit vorhanden ist, einen Ultraschall machen lassen. Sind alle Früchte abgestorben und die Mutter zeigt ein schlechtes Allgemeinbefinden, kann man sie nur retten, in dem die Geburt so schnell wie möglich eingeleitet wird.

Wehenmittel können versucht werden, schlagen bei abgestorbenen Früchten allerdings oft nur unzureichend an, so dass ein Kaiserschnitt ratsam sein kann, solange die Kondition der Sau noch einigermaßen stabil ist.

Wichtig ist, dass die Gebärmutter bei einem Kaiserschnitt mit entfernt wird und das Tier anschließend einen Antibotikaschutz und Flüssigkeit (z.B. Ringerlösung + Amynin als Infusion) erhält.

 

Abort, siehe Frühgeburt

 

Abstammung

Für die Zucht ist es äußerst ratsam, die Abstammung seiner Zuchttiere so gut wie möglich zu kennen, um vor Überraschungswürfen weitgehend sicher zu sein, bzw. um einen besseren Einblick in die genetischen Erbanlagen zu haben.

Abstammungsnachweise bekommt man bei Kauf von Zuchttieren leider nicht immer mit ausgehändigt, so dass man allein auf die Aussagen des Züchters vertrauen muss, wie lange er die gewünschte Rasse bereits züchtet und in wie weit seine Linien rein gezogen wurden.

Besonders im Ausland (z.B. England, Holland) werden für Rassemeerschweinchen nach meinen Erfahrungen nur selten Abstammungsnachweise geschrieben, manchmal weil die Meerschweinchen in größeren Zuchtgruppen gehalten werden und die Jungtiere dann nicht immer eindeutig der leibeigenen Mutter zugeordnet werden können. Man sollte sich hier wenigstens die Zuchtgruppen persönlich ansehen, um sich von der Qualität der Zucht und der Zuchttiere überzeugen zu können.

Manche Meerschweinchen –Vereine bieten ihren Mitgliedern vereinseigene Vordrucke von Abstammungsnachweisen an, die man nutzen kann. Auch die Eintragung eines eigenen Zuchtnamens ist dort möglich.

Jeder Züchter kann und sollte für seine Nachkommen möglichst Abstammungsnachweise mit folgenden Einträgen erstellen:

  • Name + Adresse des Züchters
  • Züchtername (kann man sich in manchen Vereinen auch eintragen lassen, wenn man dort Mitglied ist)
  • Name des Tieres
  • Geschlecht des Tieres
  • Geburtsdatum des Tieres
  • Rasse + rezessive Trägereigenschaften (z.B. Satin-, Texel-, Teddyträger) des Tieres
  • Farbe + Augenfarbe des Tieres
  • Wurfgröße + Geschlechter der Wurfgeschwister (z.B. 2, 1 bedeutet: 2 Männchen, 1 Weibchen           waren im Wurf)
  • Geburtsgewicht des Tieres
  • Ahnen (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern usw. ... mit genauer Beschreibung)
  • Prädikate (Erreichte Platzierungen von Showtieren unter den Ahnen) ...nur wenn man möchte.
  • Angaben über bisherige Erkrankungen oder Würfe

 

Agalaktie, siehe Milchmangel

 

Aufzucht, Jungtiere

Diese ist recht unproblematisch. Die MS- Mütter bauen kein Nest, aber sie wählen sich schon ein paar Tage vor ihrer Geburt eine geeignete Wurfecke aus und scharren sich meist eine kleine Mulde zum werfen.

Die Jungen sind Nestflüchter und werden bereits fertig entwickelt, mit Fell und offenen Augen geboren. Ihre Milchzähne haben sie schon vor Geburt gegen das bleibende Gebiss gewechselt.

Schwächere Junge verweilen die ersten paar Tage noch in ihrer Wurfecke bei der Mutter, während kräftige Jungtiere manchmal schon kurz nach ihrer Geburt, auf ungeschickten Beinen ihren Käfig erkunden und probieren am Heu zu knabbern. Sie versuchen von Anfang an alles mit zu fressen und da sie am Anfang eine Art Futterprägung (kein Prägungsvorgang im Sinne der klassischen Ethologie) durchmachen, soll man ihnen möglichst viele verschiedene Grün­futtersorten zum Kennen lernen anbieten.  MS-Junge, die nur Möhren und Äpfel kennen, werden sich später schwerer damit tun, ungewohntes Obst / Gemüse anzunehmen.

Die Kleinen sind noch recht unbedarft darin, Gefahren einzuschätzen, z.B. lassen sie sich aus einer Anhöhe einfach herunterfallen.  Auch das Sozialverhalten in der Gruppe müssen sie erst noch lernen. Doch auch wenn sie sich frech ins Gewühl stürzen, die älteren Tiere tragen es mit Fassung und üben Geduld. Nur wenn es ihnen mal zu bunt wird, werden die Kleinen mit der Schnauze „geboxt“, um sie in ihre Schranken zurückzuweisen.  Für Jungtiere ist es sehr wichtig, das Gruppenverhalten zu erlernen, um später bei Vergesellschaftung mit fremden Artgenossen nicht in Konflikte zu geraten.

Sind 2 oder mehrere Mütter mit Jungen zusammen untergebracht, kann man beobachten, dass sich befreundete Mütter die Brutpflege teilen, indem sie auch fremde Babys bei sich säugen lassen.

Die Väter gehen i.d.R. sehr liebevoll mit ihrem Nachwuchs um, weshalb man theoretisch die ganze Familie zusammen lassen könnte. Da aber die Mütter sofort nach Geburt wieder brünstig werden, muss man die Böcke einige Tage vor der Geburt herausnehmen, um der Sau eine angemessene Zuchtpause zu gönnen, bis sie wieder zu Kräften gekommen ist. Die Jungtiere sollten wenigstens 4 Wochen gesäugt werden, bzw. bis sie ein Gewicht von mindestens 250g. erreicht haben. Die Jungen sollten nicht früher abgesetzt werden, da die Muttermilch sehr viele wichtige Stoffe enthält, die dem Aufbau der Darmflora und Abwehrkräften gegen Krankheiten dienen. Ausnahmen sollte man nur dann machen, wenn die Mutter z. B. zu stark ausgezehrt erscheint.

Bei weiblichen Jungtieren tritt die Geschlechtsreife im Alter von 4 Wochen ein.

Böcke werden i.d.R. mit 6 – 8 Wochen geschlechtsreif, jedoch gibt es unter ihnen auch ausgesprochene Frühentwickler, weshalb man sie nicht zu lange bei Mutter und Schwestern lassen sollte.

Jungböckchen kann man direkt nach dem Absetzen zu ihrem Vater gesellen oder in eine evtl. vorhandene Boygroup integrieren.

 

Aufzucht, mutterloser Jungtiere

Haben Jungtiere tragischerweise ihre Mutter verloren, oder werden von ihr nicht angenommen, muss rasche Abhilfe geschaffen werden. Zunächst könnte man versuchen, über einen Tierarzt oder einen Meerschweinchenverein eine Amme ausfindig zu machen, doch sollten diese Bemühungen scheitern, bleibt nur die Handaufzucht. Sehr wichtig sind Wärme und Flüssigkeitszufuhr.

Babys mit Flüssigkeitsmangel zeigen oft ein fettig- strähniges Fell. Solange die Jungen noch zu schwach zum Herumlaufen sind, sollte man sie auf eine Wärmflasche betten. Rotlicht ist zwar auch geeignet, trocknet aber ziemlich aus, weshalb man es nur in kürzeren Zeitspannen einschalten sollte.

Solange man noch keine geeignete Ersatznahrung zur Hand hat, kann man mittels Pipette oder 1 ml -Spritze etwas lauwarmen Fenchel- oder Kamillentee oder ein lauwarmes Wasser/ Kondensmilch - Gemisch im Verhältnis 4 :1 verabreichen. Damit wird die Verdauung schon mal angeregt und einem drohenden Flüssigkeitsmangel entgegengewirkt.

Für die Aufzucht eignet sich z.B. Katzenaufzuchtmilch in Pulverform, die man mit warmen Wasser anrührt.

Als zusätzliche Energiequelle kann man noch etwas Hafer - Schmelzflocken hinein rühren und 2 x täglich 1 Trpf. eines Vitaminpräparates, welches insbesondere Vit.C und Vit. B- Komplex enthält. Die Mahlzeiten stets frisch zubereiten. Die Jungen müssen in den ersten 14 Tagen alle 1- 2Std. gefüttert werden. Nachts kann man notfalls auf 4 stündliche Gaben ausdehnen. Die Zufütterung sollte mindestens 3 - 4 Wochen fortgeführt werden, d.h. solange, bis die Kleinen selbstständig alles ausreichend Mitfressen und gut zunehmen.

Man kann den Jungen pro Mahlzeit soviel füttern, bis sie selbst signalisieren, dass sie satt sind. Die Milch muss langsam eingeflößt werden, damit sie sich nicht verschlucken. Die Kleinen lernen sehr schnell aus der Spritze zu trinken und sind nachher regelrecht fixiert darauf. Um die Verdauung und die Ausscheidung anzuregen, müssen nach jeder Mahlzeit die Bauch- und die Afterregion sanft massiert werden.

Die Darmflora der Babys muss sich erst noch aufbauen. Dies geschieht unter normalen Umständen durch die Muttermilch und durch Aufnahme von Blindarmkot aus dem After der Mutter.  Unsere Handaufgezogenen Jungen sind daher anfälliger für Verdauungsstörungen inkl. Blähbauch. Es ist ratsam, ihnen täglich etwas Kot von gesunden MS aufzulösen und einzugeben, um ihnen damit wichtige Enzyme für eine gesunde Verdauung + Entwicklung zuzuführen. Alternativ dazu kann man aber auch eine geeignete Bakteriensuspension vom Tierarzt besorgen und nach Anweisung eingeben.

Sobald die Jungen etwas selbständiger geworden sind, kann man versuchen, ihnen ihre Ersatzmilch aus Schälchen zu reichen und darin ein Stückchen hartes Brötchen einzuweichen.

Die Jungen sollten nicht allein gehalten werden, sondern immer zusammen mit Artgenossen, da sie so wesentlich schneller lernen alles zu fressen und ihr Sozialverhalten trainiert wird.

Leider gelingt die Handaufzucht nicht immer, besonders dann nicht, wenn die Jungen bei der Geburt noch zu schwach oder unreif sind, bzw. durch eine Erkrankung des Muttertieres bereits vorgeschädigt waren. Wenn die Jungen etwas zu früh geboren wurden oder die Lunge noch nicht voll ausgereift war, kann bei ihnen der Schluckreflex ge­stört sein u./o. der Saugreflex fehlen. Man kann bei der Fütterung beobachten, dass die verabreichte Milch aus der Nase wieder heraus läuft und den Jungen droht Aspiration mit Lungenentzündung. Solche Jungen sind i.d.R. nicht zu retten, auch wenn sie noch so großen Lebenswillen zeigen.

 

Ausstellung    

In vielen Ländern, wie z.B. Amerika, Dänemark, Schweden, Holland, Belgien, Luxemburg, England, Frankreich, Deutschland, Polen, Australien, Ungarn, Österreich und Schweiz gibt es bereits Meerschweinchen - Vereine und mit ihnen die Möglichkeit MS auszustellen.

Jedes Land und manchmal auch jeder einzelne Verein hat seinen eigenen Rassestandard entwickelt. Anhand dieser Standards werden die ausgestellten Haus- und Rassemeerschweinchen durch geschulte Meerschweinchen- Preisrichter bewertet.

In England und Holland ist die Zucht und Show von Rassemeerschweinchen am ältesten, so verwundert es nicht, wenn sich die Standards anderer Länder an diese beiden stark anlehnen. Beide Länder richten nach einem unterschiedlichen  Bewertungssystem und anderer Punkteverteilung.

England arbeitet mit einer Vergleichswertung, d.h. alle MS einer Farbe / Rasse und Altersgruppe werden auf dem Richtertisch nebeneinander, in kleine Holzboxen gesetzt,  zur Beurteilung ihrer Gesamterscheinung im Vergleich zu den Konkurrenten. Zusätzlich wird jedes Tier noch einzeln durch Punktvergabe bewertet.

In Holland werden die MS zunächst alle separat voneinander gerichtet. Alle Tiere, die gleich gut abgeschnitten haben, werden erst danach miteinander verglichen, um die 3 besten jeder Gruppe heraus zu deuten. Ein Hauptrichter, der weder beim Richten teilnehmen noch selbst ausstellen darf, bestimmt schließlich, welches von allen erstplazierten Tieren den Titel „Bestes Tier der Show“ verdient.

Um ausstellen zu können, muss man meist erst Mitglied in dem jeweiligen Verein sein. Bevor man sein MS zu einer Ausstellung anmeldet, sollte man sich bei dem jeweiligen Verein den Rassestandard besorgen + darin studieren, um zu wissen, welche Kriterien für die Bewertung zu erfüllen sind. Bei der Ausstellungsleitung werden die Meldepapiere angefordert, die Meldegebühren an den Verein überwiesen und man erhält dafür per Post eine Meldebestätigung / Ausstellungsordnung, sowie sonstige Informationen, z.B. was mitzubringen ist usw.. Käfige, Einstreu und Heu werden i.d.R. gestellt, während Grünfutter, Kraftfutter, Näpfe, Pflegeutensilien und eine kleine Notapotheke selbst mitgebracht werden müssen.

Man sollte keine scheuen, sondern ausschließlich handzahme Tiere ausstellen, die bereits etwas Trubel gewohnt sind. Wer seine MS zum ersten Mal ausstellt, kann trotz aller Vorsicht nie vorausahnen, wie es reagiert. Ein Kreislaufmittel zur Sicherheit mitzunehmen, wäre kein Fehler. Ebenso sollte eine Augensalbe nicht fehlen, falls sich ein MS an einem Heuhalm verletzt.

Sehr wichtig ist außerdem, keine kranken oder tragenden MS auf eine Show mitzubringen und die MS sollten möglichst in bestem Pflege- und Konditionszustand sein.

 

Blutung, verlängerte nach Geburt, s.a. Nachgeburtsverhaltung

Verlängerte (länger als 1 Tag nach Geburt) oder verstärkte Nachblutungen nach Geburt, können ein Indiz für eine Geburtsverletzung oder zurückgebliebene Gewebsreste (auch Mutterkuchen) sein. Die Gefahr einer daraus resultierenden Gebärmutterentzündung und Sepsis ist groß, der Verlauf ist rasant, daher sollten solche Weibchen umgehend einem Tierarzt vorgestellt werden!

 

Brunstzyklus

Der Brunstzyklus variiert bei Weibchen zwischen 15-20 Tagen.  Außerhalb der Brunst ist der Scheideneingang bei Säuen durch eine Membran fest verklebt, beginnt sich am Tag der Vorbrunst leicht zu öffnen, ist am Tag der Hauptbrunst ganz offen und schließt sich am darauf folgenden Tag wieder, in der Nachbrunst. Die Hauptbrunst dauert 24Std., aber nur ca.10 Std. innerhalb dieser Zeit ist das Weibchen empfangsbereit. In Einzelfällen zeigt sich der Zyklus instabil, d.h. es kann auch mal vorkommen, dass die Brunst durch die Anwesenheit eines Bockes ausgelöst wird.

 

Calcium- Defizit

Eine akute Calziumtetanie / Calciummangel kann hauptsächlich bei trächtigen Weibchen, ab der 3.Woche vor bis 1 Woche nach Geburt, auftreten. In der Hochträchtigkeit und während der Säugezeit ist der Calcium­ Bedarf am höchsten.

Erfahrungsbericht:                                                                     Da ich trotz ausgewogener Ernährung ein familiär gehäuftes Auftreten von Ca- Defiziten bei 2 Säuen (verwandte Säue bei einer anderen Züchterin zeigten ebenso wiederholte Calciumtetanien) beobachten konnte, ist m.E. bei manchen Weibchen eine erbliche Vorbelastung durchaus denkbar. Ich hatte bisher nur Calcium- Defizite bei Satin- Weibchen gehabt. Eine Tierärztin hielt bei meinem Tieren eine Calcium- Aufnahmestörung aus dem Darm (unbekannter Ursache) für den möglichen Auslöser.

Symptomverlauf:                                                 Ein krampfartiger Anfall tritt urplötzlich auf, manchmal verbunden mit einem kurzen Aufschrei der Sau. Der Körper ist bretthart angespannt, auch die Bauchseiten der tragenden Sau fühlen sich hart und fest an. Der gesamte Körper vibriert, die einzelnen Muskelfasern scheinen unabhängig voneinander unkontrolliert zu zucken. Die Augen sind angsterstarrt aufgerissen, der Blick in gravierenden Fällen nach oben verdreht. Nicht selten besteht gleichzeitig ein Schlundkrampf. In schlimmeren Fällen spreizen sie die Hinterläufe ganz vom Körper weg, strecken die Vorderbeine nach vorn, die Füße zucken und ein Laufen ist nicht mehr möglich. In leichten Fällen laufen die MS sehr steif, ziehen spastisch die Hinterbeine nach. Während eines Anfalls wird die Sauerstoffzufuhr für ungeborene Babys gemindert, was zu einer Früh-/ Totgeburt führen kann, wenn nicht umgehend Hilfe erfolgt.

Eines meiner Weibchen, bei dem ich einen tetanischen Krampf zu spät entdeckte, blieb trotz Ca- Gabe eine schlaffe Lähmung (vermutlich aufgrund einer eingetretenen Nervenschädigung) beider Vorderbeine bestehen, bzw. regenerierte sich diese erst nach einigen Wochen wieder, unter Behandlung mit entsprechenden homöopathischen Präparaten und Vit. B- Komplex..

Säue die einmal vor oder nach einer Geburt einen tetanischen Anfall erlitten, scheinen dafür prädestiniert zu sein, auch bei folgenden Schwangerschaften- mit einem Ca- Defizit zu reagieren, so dass dringend zu empfehlen ist, solche Weibchen aus der Zucht auszuschließen!

Behandlung:                                                    Sofort zum Tierarzt! Es besteht Lebensgefahr.                                                Eine Injektion mit 0,5 ml Calciumgluconat 10% / kg i.m. (Isenbügel/ Frank, Heimtierkrankheiten, Ulmer-Verl.,1985) beendet den Krampf binnen weniger Minuten.                                                  Für Züchter ist es ratsam, immer etwas Calcium im Haus zu, haben, für den Fall, das ein Tierarzt nicht rasch genug erreichbar ist. Zur oralen Behandlung eignet sich Calcium in Flüssigform (ohne Vit. D- Zusatz!), z.B. als Trinkampullen in Apotheken erhältlich. Im Akutfall können ca.100 mg Calcium (nach meinen Erfahrungen) mit einer Spritze oder Pipette oral eingegeben werden. Dies muss sehr vorsichtig geschehen, da durch einen möglichen Schlundkrampf Aspirationsgefahr droht. Die Wirkung setzt etwa nach 30- 45 Min ein, alle Symptome verschwinden. 

Da der Ca- Spiegel im Körper nicht lange stabil bleibt und aufgrunddessen mehrere Anfälle an 1 Tag möglich sind, ist eine Weiterbehandlung mit 3 - 4x tgl. 25mg Calcium, bis 1 Woche nach Geburt anzuraten.

Bekommt ein säugendes Jungtier einer prädestinierten Sau einen tetanischen Anfall, reicht (nach meinen Erfahrungen) zunächst eine einmalige orale Gabe von l0 mg Calcium um den Krampfzustand aufzuheben.

 

Dauerbrunst, siehe Seite Krankheiten, “Dauerbrunst“

 

Deckakt

Auch wenn Böcke immer wieder mal versuchen ihr Weibchen zu besteigen, gelingt ihnen eine erfolgreiche Befruchtung nur während der Hauptbrunst der Sau, siehe Brunstzyklus. Am Geruch der Sau kann der Bock ihre Brünstigkeit feststellen. Unermüdlich beginnt der Bock damit, dem Weibchen nach zu jagen, ihm zu imponieren und es schließlich mehrfach in kurzen Zeitabständen zu besteigen. Nach erfolgreicher Befruchtung, wird das Liebesspiel beendet, beide säubern sich die Genitalgegend. Das Sperma des Bockes verhärtet sich im Scheideneingang der Sau zu einem wachsartigen Pfropfen, so wird ein Spermaaustritt verhindert.

 

decken

Ein Weibchen sollte erst ab einem Alter von 4 – 5 Monaten erstmals gedeckt werden und nach jeder Geburt solange Zuchtpause erhalten, bis sie ihre ursprüngliche Kondition zurück erlangt hat.

Säue sollten nicht älter als 8 Mon. sein, wenn man sie erstmals zur Zucht einsetzen möchte.  Ab diesem Alter beginnt der Beckenring an Elastizität zu verlieren, woraus eine Geburtsstockung resultieren kann, die eine Gefahr für Mutter und Kind bedeutet.

 

Eierstockzysten, siehe Seite „Krankheiten“

 

Erbkrankheiten

Teilweise oder völlige Sterilität kann unter der Wirkung eines rezessiven Gens zustande kommen.

Seit 1914 kennt man den einfach rezessiven Zwergwuchs mit Wasserkopf, außerdem Augenmissbildungen...

  • Zyklopie = nur 1 Auge in der Mitte des Kopfes
  • Mikrophtalmie = Kleinäugigkeit
  • Anophthahnie = Augenlosigkeit

Letztere können sehr unterschiedlich und auch asymmetrisch ausgeprägt sein und sind nicht von nichterblichen Defekten phänotypisch (= äußeres Erscheinungsbild) zu unterscheiden.

Man erkennt gehäuftes Auftreten von überzähligen oder reduzierten Zitzen in manchen Stämmen. Normalerweise besitzen die Meerschweinchen nur 1 Zitzenpaar.

An Haarabnormitäten, die als Spielform gezüchtet werden, kennen wir Angora- (Symbol l für Langhaarigkeit) und Rosettenhaar (Symbol R für Wirbelbildung, also dominant). Das Modifikationsgen m intensiviert, wenn es homozygot vorliegt, die Rosettenbildung.

Von den Entwicklungsstörungen des Auges seien außer den bereits genannten, undurchsichtige Linsen und Strabismus (= undurchsichtig, schielen) genannt. Die Abnormitäten sind nicht durch einfachen Erbgang zu erklären. Man nimmt eine rezessive dimere (= 2 Allelenpaare bestimmen die Merkmale) Vererbung an.

Tanzen, ähnlich wie wir es von Ratten oder Mäusen kennen, wird rezessiv vererbt (Symbol: wa). Die kranken Tiere sind taub und zeigen Kopfschütteln. Sie laufen in Kreisbewegungen.

Brachydaktylie(= teilweise Verkürzung oder Fehlen der Zehe / Krallen) äußert sich in Reduktionen von Krallen und Zehengliedern an den Vorderzehen, Spaltzehen, Verwachsungen der Zehen. Zehenverkrümmungen u.a. Missbildungen. Nur die Vorderfüße sind betroffen. Für den Grad der Missbildungen sind Modifikationsfaktoren verantwortlich. Das Merkmal zeigt eine unvollständige Dominanz.

Polydaktylie ist die häufigste Erbanomalie des Extremitätenskeletts. Normalerweise hat das Meerschweinchen vorn 4 und hinten 3 Zehen. Die Erbanomalie zeigt sich am häufigsten dadurch, dass hinten 5 Zehen auftreten können. Verschiedene Modifikationsgene wirken beim Zustandekommen in unterschiedlicher Weise zusammen bei der Polydaktylie. Außerdem spielen Milieufaktoren eine große Rolle. So sinkt der Prozentsatz der PolydaktylenJungen mit zunehmendem Älter der Mutter.Im Sommer werden nur wenige Missgeburten geworfen; während der Wintermonate steigt die Zahl der Polydaktylen. In großen Würfen sind Tiere mit Überzehen relativ häufiger als in kleinen. In letzteren aber ist die Polydaktylie deutlicher ausgeprägt. Bei schneller Wurffolge sind die Überzehen kleiner als bei langsamer. Die Abnormität ist aber nicht nur auf die Hinterbeine beschränkt. Das mutierte Gen (Symbol: Px) verhält sich halbdominant. Die heterozygoten 5- Zeher haben ein größeres Geburtsgewicht als ihre Wurfgeschwister. Homozygote Px / Px sterben spätestens unmittelbar nach der Geburt. Ihre Beine sind verkürzt, das Schienbein fehlt, die Füße sind verbreitert und haben je 5-12 Zehen, die kurz und undifferenziert sind. Der Kopf solcher Tiere ist deformiert, das Zwischenhirn ist aufgetrieben. Gesichtsspalten sind häufig. Alle Organe sind missgestaltet und sämtliche Tiere zeigen Kleinäugigkeit.

2 weitere Erbkrankheiten sind Otocephalie(= Ohrenköpfigkeit) und Epithelhypoplasie (= Unterentwickelte Organanlagen). Bei der Ohrenköpfigkeit handelt es sich um ein sehr vielgestaltetes Krankheitsbild. In leichten Fällen ist lediglich der Unterkiefer verkürzt, ein oder beide Nagezähne fehlen. Bei stärkeren Missbildungen fehlt der Unterkiefer. Auch Defekte des Oberkiefers sind gleichzeitig anzutreffen. Besonders extreme Monstren haben am Kopf nur ein einziges median gelegenes Ohr oder sind ganz ohrenlos. Ohrenköpfigkeit wirkt letal. Sie trat in einem sehr fruchtbaren und vitalen Stamm auf.

Augendefekte führen zu Kleinäugigkeit, Cyclopie oder Augenlosigkeit. Im extremsten Falle stellt der Kopf nur ein rüsselartiges Gebilde ohne Gehirn und Körperöffnung dar. Weibchen sind doppelt so häufig betroffen wie Männchen. Alle die genannten Missbildungen werden durch 1 Hauptgen verursacht, bei dem es sich um eine dominante Mutation handelt.

Abschließend seien die Hypoplasie der Nebenschilddrüsenbehandelt. Erbkranke Meerschweinchen zeigen bald nach der Geburt Lähmungserscheinungen. Sie liegen auf der Seite, können die Beine nur langsam bewegen, drehen ihren Körper und machen Verrenkungsbewegungen beim Kopfheben. Ihre Versuche auf die Beine zu kommen, sind meistens vergeblich. Stellt man sie auf, so fallen sie bald wieder um. Schließlich ist die ganze Körperpartie samt Beinen gelähmt. Die Fortbewegung ist mehr ein Hoppeln als ein Laufen. Erschreckt man ein auf die Beine gestelltes Tier, so bekommt es einen epilepsieähnlichen Anfall. Infolge plötzlicher Versteifung der Beine springt es hoch, fällt zur Seite und sein ganzer Körper zeigt Schüttelbewegungen. Diese Krämpfe dauern nur kurze Zeit. Im Anschluss daran liegt das Tier ruhig auf der Seite und wird wieder „normal", d.h. zeigt das gewohnte Bild der Krankheit, welche innerhalb von 2 Wochen tödlich wirkt. Die Vererbung ist einfach rezessiv.

Missbildungen sind allgemein bei Meerschweinchen sehr selten (um 0,05 % etwa), treten aber in machen Stämmen gehäuft auf.

Erklärung genetischer Begriffe, siehe unter Seite Genetik

Quelle: Die Erbkrankheiten des Goldhamsters und Meerschweinchens, Deutscher Kleintierzüchter 11/1959 von G. Schmidt

 

Erhaltungszucht

bedeutet die reine Vermehrung von Tieren zur Erhaltung ihrer Art ohne auf besondere Kriterien wie Rassen oder Farbschläge zu achten. Sie wird gern unter Liebhabern praktiziert, die sich weniger mit Vererbung beschäftigen möchten, sich dafür umso lieber von ihren Zuchtergebnissen überraschen lassen.

 

Ersatzmilch (für die mutterlose Aufzucht)

Normale Kuhmilch gilt als unverträglich und ist von daher ungeeignet. 10- 12 % ige Kondensmilch ist jedoch verträglich, wenn man 1 Teil Kondensmilch mit 4 Teilen warmen Wasser verdünnt. Allerdings ist solch eine Mischung nur als vorübergehende Notmaßnahme gedacht, wenn man Neugeborene hat, deren Mütter aus irgendwelchen Gründen nicht säugen können (keine Milchproduktion) oder plötzlich verstorben sind, um den Jungen am Tag ihrer Geburt etwas Flüssigkeit zukommen zu lassen, damit ihr Verdauungssystem schon mal in Gang gesetzt wird, bis Geeigneteres besorgt ist. Möglich wäre zur Erstversorgung auch, stattdessen ein wenig Tee einzugeben. Leider gibt es im Handel keine spezielle Aufzuchtmilch für Meerschweinchen zu kaufen, so dass notgedrungen auf andere Alternativen zurückgegriffen werden muss. Von der Zusammensetzung her entspricht keines 100 % ig der Meerschwein- chenmilch, weshalb man hier auf die positiven Erfahrungen der Züchter bauen muss.

Nachstehend eine Auflistung aller Produkte, mit denen Züchter bisher positive Aufzuchtergebnisse erlangten.             Was die Produkte für Katzen- und Hundewelpen angeht, am besten den Tierarzt fragen.

Empfehlenswerte Ersatzmilch- Produkte:

  • Aptamil  (für Menschen- Säuglinge)
  • Humana HN (für Menschen- Säuglinge)
  • Milupa SOM (für Menschen- Säuglinge)
  • Milumil Pre (für Menschen- Säuglinge)
  • Feline Concentration Instant Vetenarity Diet (Waltham ,Aufbaudiät für Katzen)
  • Whiskas Feline Milk Substitute Instant Diet (für Katzenwelpen)
  • Pedigree Canine Concentration Instant Diet  (für Hundewelpen)

 

Fruchtbarkeitsstörungen, siehe auch Potenzverlust

Ursachen bei Böcken:

  • Besonders bei sehr großen Böcken wird häufiger eine Sterilität festgestellt.
  • Der Geschlechtstrieb kann verringert sein bei Böcken die älter als 1 Jahr sind und erst in diesem Alter erstmals zur Zucht  eingesetzt werden. Das beste Alter für den ersten Zuchteinsatz liegt für Böcke bei 5­- 6 Monaten. Werden die Böckchen zu jung zur Zucht zugelassen, besteht die Gefahr, dass besonders aggressive Weibchen einem Jungbock psychisch so stark zusetzen, dass er jegliches Selbstvertrauen verliert und dem anderen Geschlecht gegenüber eine bleibende Scheu entwickelt.
  • Häufiger Ausstellungsstress kann zu Fruchtbarkeitsstörungen führen, diese sind jedoch meist reversibel.
  • Durchgemachte Entzündungen der Genitalien mit anschließender Sterilität.
  • Fehlen der Hornspitzen oder ungleiche Länge beider Hornspitzen (*prongs) am Penis bzw. an der Eichelspitze kann zu Sterilität führen.

*Quelle: V.C.G. Richardson, Diseases of Domestic Guinea Pigs, Blackwell-Verl.,1992

Ursachen bei Säuen:

  • Angeborene Unfruchtbarkeit.
  • Vorübergehende Unfruchtbarkeit bei Säuen in schlechter Kondition bzw. bei Untergewicht. Durch Verbesserung der Kondition, kann diese Ursache wieder behoben werden. Am günstigsten wirkt es sich aus, wenn die Würfe für die Zeit geplant sind, in der eine maximale Verfügbarkeit an Grünfutterangebot besteht, d.h. die beste Zeit für Würfe liegt zwischen März und September, die beste Zeit für Verpaarungen im Januar. Jeder Sau sollte nach einem Wurf eine Mindestzuchtpause von 4 Wochen zur Erholung eingeräumt wer­den. Insgesamt sollte eine Sau nicht mehr als 2- 3 Würfe im Jahr haben.
  • Übergewicht durch zu lange Zuchtpausen und unangemessene Futterrationen. Bei Weibchen die rasch zu Übergewicht neigen, kann eine einmalige Nachbelegung manchmal günstig sein.
  • Eierstockzysten können mit zunehmendem Wachstum zu Fruchtbarkeitsstörungen und Sterilität führen.
  • Nach Blasenentzündungen kann bei Säuen eine Sterilität eintreten.
  • Fehl- und Frühgeburten können zu Fruchtbarkeitsstörungen führen.
  • Manche Säue stellen den Zyklus plötzlich ein, wenn sie ein Alter von 3 - 5 Jahren erreicht haben.
  • Gebärmutterentzündungen durch Keimbesiedelung können ebenfalls Unfruchtbarkeit auslösen.

Ursachen bei Böcken und Säuen:

  • Vitamin E- Mangel führt besonders bei Böcken zu Unfruchtbarkeit. Gelegentliche Zufuhr von etwas Weizenkeimöl (oder Sonnenblumenkernen) ins Futter, kann aufgrund des hohen Gehaltes an Vitamin E helfen vorzubeugen.
  • Bei Mangel an (gutem) Heuangebot wurde ein Rückgang der Zuchtleistung beobachtet.
  • Fruchtbarkeitsstörungen zeigen sich auch bei zu hohen Umwelttemperaturen, besonders in heißen Sommermonaten.  Die optimale Raumtemperatur liegt bei 18 - 22 °C. Die optimale Luftfeuchtigkeit bei 45 - 65 %.
  • Unzureichendes Licht in Zuchtställen, bzw. unzulängliche Beleuchtung und Verkürzung der Tageslichtdauer. Optimal sind 10-12 Stunden Licht / Tag. Der Hormonzyklus der Säue ist abhängig vom Tag / Nachtrhythmus, die Informationen werden durch Nervensignale im Auge + durch den entsprechenden Lichteinfall gesteuert und beeinflusst. Sind die Ställe zu lichtarm, wird die Hormonfreigabe im Körper ungenügend stimuliert, so dass kein Eisprung erfolgen kann. Böcke sind keinem Zyklus unterworfen, ihre Hormonlage bleibt stets konstant, trotzdem spielen auch bei ihnen die Umweltfaktoren eine große Rolle für den Geschlechtstrieb, so dass eben erwähntes für sie gleichermaßen Gültigkeit besitzt.
  • Die Veranlagung bei Böcken, nur selten erfolgreich zu decken oder bei Säuen, die nur schwer aufnehmen, kann sich an deren Nachwuchs vererben. Hier sollte man sich überlegen, ob man mit solchen Meerschweinchen weiter züchtet.

Quelle: Diseases of Domestic Guinea Pigs, V.C.G. Richardson, Blackwell Scientific Publications, 1992.

 

Fruchtwasser, abgegangen vor Geburt

Falls ein Weibchen vorzeitig Fruchtwasser verliert, kann ein sehr ernstes Gesundheitsproblem vorliegen, noch bevor das Weibchen irgendwelche Krankheitssymptome zeigt. Ursachen für einen vorzeitigen Blasensprung sind meist infektbedingt, d.h. Früchte, Eihäute, Mutterkuchen und Gebärmutter können infiziert sein. Die Gefahr, dass die betroffenen Früchte absterben und das Weibchen plötzlich schwer erkranken kann, ist recht groß. Der Verlust des Fruchtwassers kann auch eine einsetzende Geburt erschweren, da die Geburtswege dadurch zu trocken werden.

Das Weibchen gutbeobachten + täglich wiegen. Sollten keine Kindsbewegungen mehr fühlbar sein oder Unwohlsein eintreten, sofort zum Tierarzt!

 

Frühgeburt

Babys werden tot oder lebend geboren, noch bevor sie (außerhalb des Mutterleibs) lebensfähig sind.          Zu früh geborene Junge haben oft ein wachsartiges Aussehen der Fußsohlen und weiße, weiche Zehennägel, lebende unter ihnen sind sehr zittrig und schwach und zeigen nicht selten auch Lungenprobleme (Lunge noch nicht richtig ausgereift) und fehlenden Saugtrieb. Aufgrund ungenügender Lungenreife kann auch der Schluckakt gestört sein (Zugefütterte Milch läuft wieder aus der Nase heraus). Kommt es in den ersten 2 Trächtigkeitsdritteln zu einem Abort, wird dieser häufig gar nicht bemerkt, da die Mütter i.d.R. alles auffressen und meist keine Anzeichen eines verschlechterten Allgemeinbefindens zeigen.

Mögliche Ursachen von Frühgeburten:

  • Infektionserreger, die im Tierbestand grassieren. Sie können über den Blutweg, Haut, Schleimhäute, Wunden, Verdauungstrakt in den Körper der Mutter eindringen und teils auch durch Passage der Plazentaschranke eine Schädigung oder Abtötung der Früchte herbeiführen. Eine Gebärmutterentzündung kann hier ebenfalls entstehen.
  • Keimübertragung durch den Deckakt. Die Folgen können eine Gebärmutterentzündung und Entzündung der Mutterkuchen bedeuten.
  • Giftstoffe, wie Schimmelpilzgifte, Giftstoffe von Mikroorganismen (Endotoxine, gramneg. Bakterien, z.B. E. Coli), bestimmte Medikamente (u.a. bestimmte Antibiotika oder Chemotherapeutika). Führt zu Störungen der Mutterkuchenfunktion und damit zu Ernährungsstörungen der Früchte, u.a. auch zu hormonellen Störungen und letztendlich zum Abort. Oder die Medikamente wirken u.U. direkt negativ auf die Feten.
  • Erkrankungen, die mit Fieber einhergehen.
  • Stress, Futterumstellungen, Umgebungswechsel.
  • Mithilfe bei der Geburt anderer Säue im selben Stall (fressen von Plazenta, Eihäuten, Fruchtwassergeruch, säugen fremder Babys als auslösende Faktoren)

Häufig ist zu beobachten, dass das Allgemeinbefinden der Mütter bis zum Zeitpunkt des Aborts völlig ungestört ist, die Tiere bis dato gesund erscheinen und erst unmittelbar nach dem Abort plötzlich Fressunlust und Apathie, manchmal auch von leichten Durchfällen begleitet, auftreten.

Man erlebt aber auch Fälle, bei denen jegliche sichtbare Gesundheitsstörungen der Mütter gänzlich ausbleiben. Dies trifft in den meisten Fällen auch auf jene Säue zu, die aufgrund dessen verwarfen, weil sie sich während ihrer Tragzeit als „Geburtshelfer“ betätigt hatten.

In ersterem Fall muss das Weibchen schleunigst zum Tierarzt und benötigt so schnell wie möglich ein Antibiotikum als lebensrettende Maßnahme. Wartet man zu lang, kann das u.U. den Tod des Weibchens bedeuten.

Sollte der Züchter bei einem Abort anwesend sein, dann unbedingt darauf achten, dass auch alle Mutterkuchen mit ausgestoßen werden. Die Geburtswege sind bei Frühgeburten i.d.R. noch nicht ausreichend für eine Geburt vorbereitet, so dass Nachgeburtsverhaltungen möglich sind.

Ist es bei einem Weibchen einmal zu einer Frühgeburt gekommen, sollte man es m.E. besser aus der Zucht nehmen, da solche Weibchen, nach meinen Erfahrungen, bei weiteren Geburten nicht selten erneut Geburtsprobleme bekamen.

Foto: Früher Abort

zurück zu Abort

 

Gebärmutter

Das Meerschweinchen – Weibchen hat eine doppelt angelegte Gebärmutter, d.h. es besitzt 2 Gebärmutterhörner, die durch eine Scheidewand voneinander getrennt sind und beide über den Gebärmutterhals in die Scheide münden.

Das Meerschweinchen hat eine Plazenta haemoendothelialis. Bei diesem Plazentatyp der MS taucht das fetale Gefäßendothel direkt in das mütterliche Blut ein, während z.B. Pferde und Wiederkäuer einen 6 schichtigen Placentaaufbau haben. Die Plazenta haemoendothelialis hat den Vorteil, das sie im Gegensatz zu vielschichtigeren Plazentatypen viel durchlässiger für Antikörper ist und somit das Kolostrum für die MS- Babys nicht so lebensnotwendig ist wie für Fohlen oder Kälber, weil ihnen bereits vor Geburt weitgehend Antikörper mitgegeben werden. Ein Nachteil gegenüber dem Plazentatyp der Wiederkäuer ist allerdings die höhere Infektionsanfälligkeit der MS- Mütter nach einer Geburt. Während bei der Kuh nach Plazentaablösung die Gebärmutterschleimhaut unversehrt bleibt, wird die MS- Plazenta nur unter Blutung und Abstoßung mütterlicher Gebärmutterschleimhaut abgelöst, eine offene Wunde entsteht, durch die Krankheitserreger viel eher eindringen können.

 

Gebärmutterentzündung, siehe Seite „Krankheiten“

 

Gebärmutterverdrehung

Gebärmutterverdrehungen sollen gar nicht mal so selten vorkommen bei tragenden Weibchen. Dies erwähnte mal eine Tierärztin, die im Laufe ihres Studiums viele verendete tragende Weibchen zu obduzieren hatte. Kommt es zu Verdrehungen, werden betroffene Gewebsabschnitte nicht mehr durchblutet und können, je nach Grad der Verdrehung u.U. absterben. Es besteht Lebensgefahr.

 

Gebärmuttervorfall

Durch Erschlaffung des Halteapparates der Gebärmutter, verbunden mit sehr starkem Pressen bei Geburt, kann es gelegentlich zum Gebärmuttervorfall kommen, d.h. die Gebärmutter stülpt sich nach außen und hängt aus der Scheide heraus. Es besteht hochgradige Infektionsgefahr! Das Tier muss sofort auf eine saubere Unterlage gesetzt werden und sofort zum Tierarzt! Die Gebärmutter wird mit NaCl 0,9 % sauber gespült und zurückverlegt, manchmal wird der Scheideneingang mit einem Stich zugenäht, um einen erneuten Vorfall zu verhindern. Manchmal wird stattdessen auch eine sofortige operative Entfernung der Gebärmutter vorgenommen. Das Tier erhält in jedem Fall ein Antibiotikum als Infektionsschutz.

 

Geburt

Das Weibchen sucht sich manchmal schon Tage vor Geburt eine ihm geeignet erscheinende Ecke im Käfig aus, in der es werfen möchte.

Kurz vor Geburt sollte man spätestens den Bock separieren, da Säue unmittelbar nach Geburt brünstig werden und somit sofort nachgedeckt werden könnten.

MS bauen keine Nester, sie sind Nestflüchter, d.h. die Jungen kommen völlig entwickelt, mit offenen Augen, vollständigem Haarkleid und bereits bleibendem Gebiss zur Welt. Ihre Milchzähne wechseln sie noch vor Geburt im Mutterleib. Die Babys werden normal in Kopflage geboren, sobald die Schnauze ersichtlich ist, wird sie vom Muttertier durch Aufbeißen der Eihülle befreit, damit das Baby sofort atmen kann. Erst wenn das Baby geboren ist und die Mutter die Nabelschnur durchtrennt hat, beginnt sie die Eihaut und die Mutterkuchen jedes Babys aufzufressen. Es werden allerdings nicht immer komplett alle Plazenten aufgefressen. Durch die im Mutterkuchen befindlichen Hormone wird die Milchbildung angeregt.

Die Geburt ist abgeschlossen, wenn sich das Muttertier zu putzen beginnt . Gleich anschließend bekommt die Mama tierischen Hunger und muss erstmal eine kräftige Mahlzeit zu sich nehmen, wie Körner und vor allem saftiges Grünzeug, erst danach widmet sie sich wieder ihren Babys.

Kräftige Babys machen manchmal sofort nach Geburt ihre Erkundungsgänge und beginnen am Heu zu knabbern, während kleinere Babys sich noch einige Tage länger in der Wurfecke aufhalten bei der Mutter, bis sie Alleingänge wagen. Instinktmäßig machen sich Babys bald nach der Geburt auf die Suche nach den Zitzen um zu saugen. Auch das Saugen fördert nochmals den Milchfluss, wobei es u.U. bis zu 12 Std. dauern kann, bis die Milch endlich eingeschossen ist. Andere Käfiggenossen, die zusammen mit werdenden Müttern im Käfig leben, egal ob Böcke oder Säue, gehen immer in gewisse Distanz, wenn 1 Sau wirft, sie legen sich möglichst weit ab der Wurfecke entfernt und warten dort geduldig ab, bis die Geburt vorbei ist, erst dann kommen sie hervor, um die neuen Erdenbürger neugierig zu begrüßen. Es kommt allerdings auch schon mal vor, dass manche MS den Müttern beim Trockenlecken ihrer frisch geborenen Babys helfen. Sind mehrere befreundete Mütter in einem Käfig, so teilen sie sich die Brutpflege, d.h. jedes Baby darf wahllos bei allen Müttern trinken.

 

Geburtsanzeichen

Die Mütter zeigen außer einer leichten Nervosität, leichtem An­schwellen der Brustdrüse, manchmal scharren einer kleinen Mulde keine besonderen Anzeichen, wann die Geburt losgeht. Ein geschulter Züchter kann jedoch durch Ertasten der Schambeinfuge abschätzen, wann er in etwa mit der Geburt rechnen kann. Die Schambeinfuge ist eine bindegewebige Verbindung zwischen dem rechten und linken Schambeinknochen, die dem Geschlechtsteil vorgelagert sitzt. Diese Fuge ist normalerweise geschlossen und beginnt sich ab dem 5.Tag vor Geburt zu öffnen. Sobald die Fuge so weit geöffnet ist, dass zwischen diesen entstehenden Spalt locker ein Zeigefinger dazwischenpasst, steht die Geburt kurz bevor. Man muss jedoch mit Zeitschwankungen von 12 Std. bis zu 3 Tagen rechnen, jede Geburt ist individuell etwas verschieden in dieser Hinsicht.

 

Geburtsgewicht

Das Geburtsgewicht der MS- Babys liegt etwa zwischen 60 – 130g. Selten mehr oder weniger. Die Überlebenschancen von Neugeborenen, die leichter als 60g sind, sind als kritisch zu betrachten bzw. nicht alle unter ihnen überleben. Extrem große + schwere Babys laufen indessen eher mal Gefahr wegen erschwerter Geburt und längerer Geburtsdauer zu ersticken. In den ersten 4 Lebenstagen können die Neugeboren bis ca. 6g verlieren, bevor sie beginnen täglich zuzunehmen.

 

Geburtshilfe

Sollte man beobachten, dass 1 Weibchen während der Geburt eines seiner Jungen nicht sofort aus der Eihaut befreit, kann man unterstützend eingreifen, indem man die Eihülle im Bereich der Schnauze aufreißt, damit das Baby atmen kann. Normalerweise macht das die Mutter selbst, sobald die Schnauze des Babys aus dem Geburtskanal heraus schaut. Manche Mütter reagieren jedoch manchmal etwas überfordert oder lassen sich durch ihre bereits geborenen Babys ablenken.

Zeigt ein Baby kaum Lebenszeichen nach der Geburt bzw. ist recht schlaff und regungslos, kann es helfen, wenn man es mit einem Tuch trocken rubbelt (zur Kreislaufanregung) und für eine Weile warm hält.

Kommt es zu einer Geburtsstockung, bei der Schnauze oder Kopf des Babys bereits sichtbar sind aber die weitere Austreibung trotz Wehenfunktion + Pressen der Mutter stagniert, kann man helfend eingreifen, indem man das Baby bei jeder Wehe  ein Stückchen herauszieht (dazu den Fingernagel unter den oberen Schneidezähnen des Babys einhaken). Der Zug muss äußerst vorsichtig geschehen, unter Abwartung jeder neuen Wehe, um einen Gebärmuttervorfall zu vermeiden! Im Zweifelsfall keine Zeit vergeuden und sofort zum Tierarzt fahren.

 

Geburtsprobleme

Risikofaktoren für tragende Mütter und deren ungeborene Babys:

  •       Bakterielle oder virale Infektionen
  •       Pilzinfektionen
  •       Ernährungsdefizite (u.a. Fettleibigkeit, Unterernährung, Kalziumdefizit)
  •       Futterumstellung während der Trächtigkeit
  •       Stress (z.B. durch Umgebungswechsel oder Gruppenumsetzungen)
  •       Wurfgröße
  •       Alter der Mutter (z.B. Gebärmutterstockung)
  •       Größe + Anzahl der Babys
  •       Giftstoffe (Insektizide, Medikamente, verschimmeltes oder ranziges Futter)
  •       Fieber

 

Geburtsstockung, siehe auch Geburtshilfe

Die Geburt gerät ins Stocken, Babys bleiben im Geburtskanal stecken oder kommen gar nicht heraus.          Geburtsstockungen können vorkommen bei zu jungen oder zu alten erstgebärenden Weibchen. Andere Ursachen sind extrem große Babys, zu eng gebautes Becken, Wehenschwäche (auch bei Kalziummangel), falsche Lage eines Babys (Steißlage oder Querlagen im Bauch) oder deformierte bzw. missgebildete Babys. Geburtsstockungen kommen bei übergewichtigen Säuen häufiger vor als bei normalgewichtigen. Vorzeitiger Blasensprung und damit Verlust allen Fruchtwassers oder abgestorbene, harte Früchte im Bauch können ebenso Probleme bei der Austreibung der Früchte verursachen. Gaben von Wehenmitteln + Kalzium können versucht werden, wobei vorher allerdings abgeklärt sein muss, das weder Beckenanomalien, noch eine falsche Lage (eines oder mehrerer Babys, Einkeilung) etc. vorliegt. Also besser röntgen lassen, bevor Wehenmittel eingesetzt werden.

 

Geschlechtsreife

Weibchen werden im Alter von ca. 4 Wochen geschlechtsreif. Böcke werden im Alter von 6 – 8 Wochen geschlechtsreif. Bei beiden Geschlechtern gibt es in Ausnahmefällen auch mal ausgesprochene Frühentwickler, d.h. dass die Geschlechtsreife bei ihnen bereits im frühen Alter von 3 Wo. einsetzt.

 

Geschwisterverpaarung

Geschwisterverpaarungen kann man ohne weiteres vornehmen, wenn beide Elternteile aus bewährten und gesunden Linien stammen, bei denen keine Erbkrankheiten bekannt geworden sind und wenn beide Jungtiere groß und kräftig sind.

 

Gewicht, siehe Seite „Krankheiten“ unter Biologische Daten

Größe, siehe Seite „Krankheiten“ unter Biologische Daten

Handaufzucht, siehe Aufzucht

 

Inzucht

Bedeutet die Verpaarung mit eng verwandten Partnern.                                           In der Zucht nutzt man die Inzucht dazu, um ein möglichst gleichartiges Aussehen der Nachkommen zu erhalten. Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass Inzucht zu Erbkrankheiten führt. Dies ist so nicht richtig. Erbkrankheiten sind bei der Inzucht nur dann zu erwarten, wenn beide Partner die gleichen rezessiven “Defektgene” besitzen und diese sich dann im homozygoten Zustand bei den Nachkommen im äußeren Erscheinungsbild zeigen.Inzucht deckt also versteckt vorhandene, krankhafte Erbanlagen nur eher auf, was für die Zucht deshalb ein großer Vorteil ist, da man mit Erbfehlern behaftete Zuchttiere rechtzeitiger aus der Zucht ausschließen kann, mit dem Ziel, eine gesunde, einwandfreie Linie aufzubauen. Wer dennoch lieber auf Inzucht verzichten möchte, riskiert, dass sich krankhafte Erbanlagen über viele Generationen unentdeckt weitervererben und viel zu spät erkannt werden.

 

Jungtieraufzucht, siehe Aufzucht Jungtiere

Jungtierfressen, siehe Kannibalismus

 

Kaiserschnitt

Wenn ein Kaiserschnitt erfolgen soll, dann muss es rechtzeitig getan werden! Je länger die Sau von Beginn der Geburt an warten muss, umso geringer sind die Überlebenschancen von ihr und den Babys. Wenn die Babys tot sind, ist die Prognose für die Mutter schlecht. Soweit (5 Fälle) starben keine Säue bei der Operation selbst, wenn dann gewöhnlich erst 2- 48 Std. später, durch Schock, Toxikose etc.

Es ist wahrscheinlich vergeblich zu operieren, wenn das Werfen bereits mehr als 24 Std. erfolglos geblieben ist.

Meinem Eindruck nach zu urteilen, liegen die Gründe für das Müttersterben nach operativen Eingriffen meist in einer Trächtigkeitstoxikose durch Leberstoffwechselentgleisung. Dieser Zustand tritt auch jedes Mal auf, wenn ein trächtiges Tier gestresst ist und dadurch seine Nahrungsaufnahme reduziert ist. Durch OP ist die Nahrungsaufnahme zwangsläufg unterbrochen.

Gründe die einen Kaiserschnitt erforderlich machen können:

  • Mangel an Gebärmutterkontraktionen bei Wurfbeginn (= Wehenschwäche bzw. Gebärmutterträgheit)
  • Falsche Lage des Babys
  • Versagen der Gebärmutterausdehnung
  • andere, weniger häufige Faktoren sind Beckenanomalien (Fehlkonstruktion)

 

Kannibalismus

Gelegentlich kommt es vor, dass neugeborene Babys nach Geburt von ihren Müttern angefressen oder aufgefressen werden. I.d.R. ist dies nur der Fall, wenn das Muttertier spürt, das es sich um nicht lebensfähige Jungtiere handelt.

Seltener sind die Fälle, wo Mütter nach einer sehr schweren und schmerzhaften Geburt Aggressionen entwickeln, die sich auch gegen die eigenen Jungen richten, wobei das normale Fürsorgeverhalten völlig fehlt. Wird Kannibalismus bei einem Muttertier zur Gewohnheit, sollte sie besser aus der Zucht ausgeschlossen werden.

 

Mazeration

Im Gegensatz zur Mumifikation (siehe Steinfrucht) kommt es bei der Mazeration zur matschigen Zersetzung abgestorbener Früchte im Mutterleib. Mazerationen können bei bereits recht weit entwickelten, abgestorbenen Früchten vorkommen, wenn ein Abort ausgeblieben ist. Vorhandene Bakterien in der Gebärmutter sind an diesem eintretenden Zersetzungsprozess beteiligt. Das Allgemeinbefinden verschlechtert sich zunehmend und für das Muttertier besteht große Infektionsgefahr mit Gebärmutterentzündung und Sepsis.

 

Milchbildung

Sobald die Geburt abgeschlossen ist und das Weibchen die Nachgeburten aufgefressen hat, beginnt die Milch allmählich einzuschießen. Gefördert wird der Milcheinschuss durch das Saugen der Jungen an den Zitzen der Mutter.

Durch verarbeitete Sojabohnen im Kraftfutter soll die Milchbildung der Mütter besonders produktiv sein.

 

Milchdrüsenverhärtung

Verhärtungen der Milchdrüse können sich im Rahmen einer Brustdrüsenentzündung entwickeln, die schmerzhaft ist und unbedingt behandelt werden muss. Das Gesäuge fühlt sich hart und manchmal erwärmt an. Auch die Zitzen können mit entzündet sein.

Eine Brustdrüsenverhärtung kann sich auch bei Milchstau, z.B. nach Absetzen der Jungen oder bei einer bestehenden Zitzenanomalie (an der Brusthaut schief angewachsene Zitze), d.h. wenn durch diese bedingt die Milch am Abfluss gehindert wird, entwickeln.

Um Milchstau zu vermeiden, sollte das Saftfutter bis zur Rückbildung der Milch reduziert werden, wobei das Trinkwasser keinesfalls gleichzeitig entzogen werden darf.

 

Milchersatz, siehe Ersatzmilch

 

Milchmangel

Milchmangel oder fehlende Milchproduktion ist häufig bei Problemgeburten zu beobachten, bei Frühgeburten, wenn noch Gewebsreste (Nachgeburt)  in der Gebärmutter zurückgeblieben sind oder wenn eine Infektion vorliegt. Die Mütter zeigen oft auch Unwohlsein. Man sollte sie deshalb schnellstens einem Tierarzt vorstellen. Kommt nach Geburt keine Milchbildung in Gang, kann die Gabe von Oxytocin durch den Tierarzt versucht werden. Die Jungen kommen zur Not bis 12 Std. nach Geburt ohne Milch aus.  Auch ein Energiedefizit wäre als Ursache denkbar, weshalb zur Vorbeugung auf eine gute Ernährung der Zuchtweibchens zu achten ist. Wichtig ist auch die Stressvermeidung, d.h. das Weibchen um den Zeitpunkt der Geburt so wenig wie möglich stören.

 

Milchzahnwechsel

Die Milchzähne fallen bereits 14 Tage vor Geburt aus und werden noch im Mutterleib gegen das bleibende Gebiss ersetzt.

 

Milchzusammensetzung

Meerschweinchen- Milch

%

Fett

3.9

Eiweiß 

8.1

Milchzucker 

3

Asche

0.82

Quelle: Robert D. Bremel, University of Wisconsin & Handbook of Milk Composition, by R. G. Jensen, Academic Press, 1995.

 

Missbildungen, siehe auch Erbkrankheiten

Zu den Ursachen von missgebildeten Nachkommen zählen außer den Erbkrankheiten noch verschiedene Umweltfaktoren wie z.B. Ionisierende Strahlen (z.B. Röntgenstrahlen, besonders während der Embryonalphase), chemische Stoffe (z.B. bestimmte Antibiotika oder Chemotherapeutika, Pestizide, Medikamente wie z.B. Carbaryl = Wirkstoff gg. Ektoparasiten oder Unkrautbekämpfungsmittel usw.), Nährstoffmängel oder evtl. auch best. Krankheitserreger.

Wird ein Baby mit Kopfschiefhaltung und schiefen Füßchen geboren, kann auch nur eine Lageanomalie im Mutterleib vorgelegen haben. In solchen Fällen kann man mittels täglicher gymnastischer Dehnungsübungen wieder eine Normalisierung erreichen.  Sind die Fußgelenke völlig steif + unbeweglich, muss von anderen Ursachen ausgegangen werden, hier ist eine Heilung nicht möglich, dennoch sind solche Babys durchaus lebensfähig. Man sollte bei Babys mit schief eingesteiften Füßen (Verdrehung nach innen) darauf achten, das sie stets auf dick eingestreutem, weichem Untergrund sitzen, um eine Schwielenbildung und besonders auch Entzündungen der Fußkanten weitgehend zu verhindern.

Foto von Siamesischer Zwilling: hier klicken

 

Mumifikation, siehe Steinfrucht

 

Müttersterben

Mögliche Ursachen für das Sterben von Müttern vor oder nach Geburt:

  • Gebärmutterblutungen (Geburtsverletzungen)
  • Gebärmutterverdrehungen (abgeschnürtes Gewebe stirbt ab)
  • Erschöpfung durch die Geburt
  • Trächtigkeitstoxikose (Leberstoffwechselentgleisung)
  • Infektionen (besonders auch mit Gebärmutterentzündung)
  • Nachgeburtsverhaltung (unentdeckte...)
  • Mazerierte Früchte im Bauch mit ausbleibendem Abort (z.B. durch Infizierung der ungeborenen Früchte        verursacht)

Der beste Schutz für die Mütter ist eine gute Beobachtungsgabe, regelmäßige Gewichtskontrollen und rasches Handeln, sobald Störungen des Allgemeinbefindens (Sträuben, zunehmender Appetitmangel, Apathie), Gewichtsabnahmen oder eine zunehmende Regungslosigkeit der ungeborenen Früchte auffallen. Doch leider lassen sich Meerschweinchen oft erst viel zu spät Krankheitssymptome anmerken, d.h. sobald Mütter beginnen zu Sträuben + an Gewicht zu verlieren (mehr als 50g), kann ein Vergiftungsprozess durch Zersetzungsprozesse, Stoffwechselgifte, Erregergifte ... schon weit fortgeschritten sein und in den meisten Fällen eine Rettung aussichtslos machen.

Mutterlose Jungtiere, siehe Aufzucht mutterloserJungtiere

 

Muttertrieb,fehlender

Besonders bei erschwerten und schmerzhaften Geburten, manchmal auch bei Frühgeburten, kann u.U. das normale Instinktverhalten (Fürsorge) gestört sein.

Manche Weibchen reagieren ihren Jungen gegenüber aggressiv und vergreifen sich regelrecht an ihnen. Es scheint bei diesen Weibchen so, als wollten sie sich an den Verursachern (Junge) ihrer erlittenen Schmerzen rächen bzw. lehnen sie deshalb ab. Dazu gehört auch Abwehrverhalten, wenn die Jungen versuchen, bei ihr zu trinken. Manche Weibchen zeigen Angst und Fluchtverhalten ihren Jungen gegenüber.

Zunächst sollte man diese Weibchen besser einem Tierarzt vorstellen, damit dieser die gesundheitliche Verfassung überprüfen kann. Selbst könnte man versuchen, solche Mütter zu beruhigen, z.B. durch mehrmals tgl. Gaben von Rescue- Trpf. (Notfall-Tropfen, gehören zu den Bachblüten). Man sollte die Jungen immer wieder per Hand an die Zitzen anzulegen versuchen.

Gelingt es nicht, die Mütter umzustimmen, bleibt leider nur, eine Amme zu finden oder Handaufzucht der Jungen.

Erfahrungsbericht zum Thema:                                           Persönlich habe ich schon beide geschilderten Fälle in der Zucht erlebt. Das aggressive Weibchen (hatte eine erschwerte Frühgeburt, starb später trotz Antibiotikabehandlung) fügte den Jungen solche Wunden zu, dass ich es nicht verantworten konnte, dieser Mutter ihre Kleinen zu überlassen. Ich versuchte Handaufzucht, da die Jungen aber zu früh geboren waren (viel zu klein + schwach) mit unausgereiften Lungen (liefen auch mit gekrümmten Rücken) und damit verbundenen Problemen beim Abschlucken zu kämpfen hatten, überlebten sie nur max. 1 Woche und nahmen in dieser Zeit nur wenig zu.

Das 2. Weibchen, welches Panik vor seinen Jungen zeigte, regenerierte sich rasch und nahm das einzig überlebende Junge im Wurf (Geschwister waren tot geboren) noch am selben Tag an.

 

Nachgeburt, s.a. Gebärmutter

In der Plazenta befinden sich u.a. Hormone, die während der Tragzeit an der Ausbildung der Brustdrüse und der Milchbildung beteiligt sind. Nach der Geburt fressen MS- Mütter ihre Nachgeburten teilweise oder gänzlich auf. Dieses Verhalten dient zum Schutz vor Fressfeinden in der Natur, des Weiteren wird dadurch die Milchsekretion gefördert  (V.C.G. Richardson).

Zu jedem Baby gehört eine eigene Plazenta (Mutterkuchen). Es ist lebenswichtig, möglichst darauf zu achten, dass nach 1 Geburt alle Mutterkuchen ausgestoßen werden. Die Plazentagrößen und die Durchblutung der Plazenten bestimmen den Ernährungsanteil jedes einzelnen Babys, was auch die manchmal recht drastischen Gewichtsunterschiede der Babys aus 1 Wurf erklärt.

 

Nachgeburtsblutung

Meerschweinchen verlieren nach abgeschlossener Geburt i.d.R. nur noch wenige Trpf. Blut.                Nachblutungen halten längstens 1-2 Tage nach Geburt an. Werden länger anhaltende oder stärkere Blutungen beobachtet, evtl. auch mit Allgemeinstörungen der Sau einhergehend, sollte man vom Tierarzt Gebärmutterentzündung, zurückgebliebene Gewebsreste oder Geburtsverletzung etc. ausschließen lassen.

 

Nachgeburtsverhaltung

Nachgeburtsverhaltungen kommen bei übergewichtigen Sauen häufiger vor als bei schlanken Zuchtweibchen.

Sollte man bei der Geburt zufällig anwesend sein, ist es ratsam gleich mitzuzählen, ob pro Baby auch eine Plazenta ausgestoßen wurde.

War man bei Geburt nicht anwesend, muss man sich auf die wenigen Anzeichen stützen, mit denen die Sau ihr Unwohlsein aufgrund einer Nachgeburtsverhaltung nach einer Geburt ausdrückt.

Anzeichen:                                                                          Die Geburt kann völlig normal verlaufen sein, trotzdem ist die Mutter nachher kaum am Fressen oder an ihren Babys interessiert, liegt stattdessen viel in verschiedenen Ecken herum, wechselt häufiger die Seiten auf denen sie liegt, man kann u.U. auch beobachten, das sie versucht, sich mit einem Hinterbein immer wieder in ihren Bauch zu treten, als ob sie versuchen wollte die festsitzende Plazenta dadurch loszuwerden. Die Nachblutungen sind verstärkt und bestehen länger als normal. Insgesamt macht die Sau einen recht bedrückten Eindruck. Wird die festsitzende Plazenta nach 1 –2 Std. noch nicht ausgestoßen, sollte man möglichst schnell zum Tierarzt gehen und von ihm Wehenmittel und Calcium (Calcium unterstützt die Wehenfunktion) verabreichen lassen.

Je länger die Geburt bereits zurück liegt, umso weniger effektiv schlagen Wehenmittel noch an, so dass manchmal auch eine operative Ausräumung unter Antibiotikaschutz erforderlich werden kann.              Alternative: Auch „Küchenschelle“ zusammen mit „Frauenwurzel“ in homöopathischer Aufbereitung und in bestimmter Potenz - nach strengen Anweisungen eines Heilpraktikers für Tiere verabreicht, zeigen recht gute Erfolge.

Die Plazenta muss spätestens nach 12Std. draußen sein, sonst besteht Lebensgefahr durch einsetzende Fäulnis!

zurück zu Blutung, verlängerte

 

Nachwuchs

Die meisten Weibchen bekommen in einem Wurf 2- 4 Junge. Seltener sind Einlingsgeburten oder 5- 6 Junge oder mehr pro Wurf. Der bisher größte Wurf, von dem mir bisher berichtet wurde, war ein 10 er- Wurf (5 daraus überlebten!). In großen Würfen überleben selten alle Junge.

 

Neonataler Tod

Damit sind jene Babys gemeint, die zum korrekten Geburtstermin geboren wurden und nach wenigen Tagen sterben.

Mögliche Ursachen: Herzfehler - oder andere Organmissbildungen, Lungenschäden aufgrund verschluckten Fruchtwassers, Infektionen (diaplazentar oder später erworbene), fehlender Saugtrieb (sekundär, falls nicht erkannt), Hirnschäden (durch Sauerstoffmangel) aufgrund erschwerter Geburtsbedingungen mit neurologischen Ausfallserscheinungen (Koordinationsstörungen, Trinkschwäche).

 

Nestflüchter

Alle Nestflüchter kommen gut entwickelt zur Welt, mit der Fähigkeit ihre Geburtsstätte recht früh zu verlassen.

Auch die Meerschweinchen gehören zu den Nestflüchtern und sind nach Geburt schon recht selbständig. Je nachdem wie fit bzw. wie groß und kräftig die Kleinen nach Geburt sind, machen sie noch am selben Tag erste Erkundungsgänge durch den Käfig oder versuchen Heu und anderes Futter aufzunehmen. Siehe hierzu auch Aufzucht Jungtiere und Geburt.

 

Paarung, siehe decken

Plazenta, siehe Nachgeburt

 

Potenzverlust, siehe auch Fruchtbarkeitsstörungen

Mit Potenzverlust ist ein Nachlassen oder Unvermögen sexueller Funktionen gemeint.                     Mit zunehmendem Alter (individuell verschieden) kann die Potenz bei Böcken nachlassen. Besonders bei Rexen oder Texeln lässt sich manchmal eine früh einsetzende Deckfaulheit beobachten. Desinteresse an Weibchen kann bei Böcken manchmal auch psychische Ursachen haben, z.B. wenn sie sehr jung mit recht aggressiven Weibchen vergesellschaftet waren, die ihnen sehr zugesetzt haben.

Körperliche Ursachen können sein:                                         Abschnürungen des Penis durch darum gewickelte Haare oder Penisbruch (Verletzung des Penisknochens).

 

Resorption

Bedeutet, dass der Körper eines tragenden Weibchens die Früchte wieder vollständig „auflöst“ und in den Kreislauf aufnimmt. Resorptionen sind nur in frühem Trächtigkeitsstadium möglich. Mögliche Ursachen sind z.B. Infektionen mit Fieber oder extremer Anstieg der Umgebungstemperatur.

 

Säugen

Frisch geborene Junge können nach Geburt bis zu 12 Std. ohne Milch auskommen. Dies sei gesagt für den Fall, dass der Milcheinschuss bei der Mutter aus irgendwelchen Gründen erst verspätet erfolgt.

Je nach Wurfgröße und natürlich auch abhängig vom Alter der Jungen kann man recht unterschiedliche Säugeintervalle beobachten. Sind viele Babys im Wurf, wird häufiger gesäugt (manchmal alle 15 Min.), besonders auch, wenn die Kleinen schwächlicher sind. Bei kleinen Würfen (1- 2 Babys) wird seltener gesäugt.

In den ersten Lebenstagen lockt die Mutter durch leises glucksen ihre Jungen zum säugen herbei. Aber schon recht bald bestimmen die Jungen ihre Säugephasen selbst, indem sie unaufgefordert unter den Bauch der Mutter kriechen, um zu saugen. Die Jungen fixieren sich meist auf 1 bestimmte Zitze, die sie einmal ausgewählt haben und teilen sich diese ggf. mit weiteren Geschwistern, wobei sie sich regelmäßig abwechseln. 

Schwächlichere Jungtiere müssen schon mal beachtliche Hartnäckigkeit beweisen, um sich an der Milchquelle gegenüber ihren kräftigeren Geschwistern durchsetzen zu können. 

Tipp: Ist ein Junges zu schwach, kann ihm das auch schon mal zum Verhängnis werden. In solchem Fall kann man ihm helfen, indem man mehrmals tgl. die kräftigsten Jungen für einen Moment heraus nimmt, um dem Schwächling die Chance zu geben, ungehindert trinken zu können.

Sitzen mehrere Mütter in 1 Stall, teilen sich manche Säue die Brutpflege, d.h. sie lassen teils auch fremde Babys bei sich trinken. Man kann beobachten, dass die Babys, die bei Fremdmüttern trinken, diese auch bei jeder Säugephase wieder aufsuchen. Es findet also in punkto Säugen kein ständiger Wechsel zwischen Fremdmutter und eigener Mutter statt. Dennoch behält die eigene Mutter für alle ihre Babys gleichermaßen ihr Fürsorgeverhalten bei, d.h. sie macht keinen Unterschied zwischen den "Fremdgängern" und jenen, die ihr treu bleiben oder den fremden Babys "befreundeter Mütter". Es akzeptieren nicht immer alle Weibchen die Jungen anderer Mütter im Rudel. Andererseits gibt es wiederum Mütter, die am liebsten alle Babys im Stall für sich allein hätten.

 

Säugezeit

Die Säugezeit schwankt zwischen 3 – 5 Wochen. Bei sehr kräftigen Jungen wird die Säugezeit manchmal früher eingestellt, bzw. nimmt die Milchproduktion dann schneller ab u./o. die Weibchen signalisieren ihren Jungen durch zunehmende Abwehr (Wegtreten von den Zitzen mit den Hinterläufen), dass sie nicht mehr länger säugen wollen.

 

Saugtrieb, fehlender

Meist handelt es sich um eine Frühgeburten, wenn der Saugtrieb bei Neugeborenen fehlt. Ein fehlender Saugreflex kommt aber manchmal auch bei ganz normalgewichtigen Jungen vor. Sie fallen meist erst dann auf, wenn ihr Gewicht stagniert, während sich seine Geschwister prächtigst weiterentwickeln, da sie genauso wie ihre Geschwister unter den Bauch der Mutter kriechen aber nicht trinken. Man sollte solche Babys mit der Hand zufüttern. Sie haben recht gute Chancen durchzukommen!

 

Scheinträchtigkeit

Eingebildete Schwangerschaft. Kommt bei Meerschweinchen seltenst vor. Es kommt zur Umfangsvermehrung des Bauches, anschwellen der Milchdrüsen und zur Milchbildung. Um Milchstau zu vermeiden, sollte das Saftfutter bis zur Rückbildung reduziert werden, wobei das Trinkwasser keinesfalls gleichzeitig entzogen werden darf.

 

Schwangerschaft, siehe Trächtigkeit

 

Steinfrucht

Gelegentlich werden bei Meerschweinchen- Geburten auch Steinfrüchte mit ausgestoßen. Es handelt sich dabei um vorzeitig abgestorbene + mumifizierte Früchte, welche sich durch Eintrocknungsprozess zu kleineren harten Gebilden zurückgebildet haben. Eine Infektion des Muttertieres braucht nicht befürchtet zu werden, da die Eihäute bei der Mumifikation unversehrt bleiben.

Foto von Steinfrucht: hier klicken

 

Superfetation

Die Superfetation nennt man auch Nachempfängnis. D.h. ein Weibchen bekommt trotz bestehender Trächtigkeit, z.B. eine Brunstperiode später, nochmals einen Eisprung und falls sie dabei erfolgreich befruchtet wird, kommt es zu einer Doppelgeburt. Die Superfetation ist extrem selten.

Bei Meerschweinchen kenne ich bisher nur einen einzigen Fall, bei dem es im Abstand von 3 Wochen zu je einer Geburt kam. Die Jungtiere beider Würfe kamen gesund und lebend zur Welt und wurden von ihrer gemeinsamen Mutter problemlos gesäugt und aufgezogen. Insgesamt hatte dieses Weibchen 3 Junge.

 

Totgeburt

Unter „Totgeburten“ versteht man Jungtiere, die zum korrekten Geburtstermin tot geboren wurden. Mit einem geringen Prozentsatz an Totgeburten muss man bei Meerschweinchen leider rechnen. Nicht immer lässt sich ergründen, warum ein Baby tot geboren wurde. Häufig kann das Problem darin liegen, dass entweder der Geburtsvorgang zu lange dauerte (Riesenbaby, Geburtsstockung, Wehenschwäche) und ein Junges dadurch erstickt ist oder weil die Mutter ein Baby nicht schnell genug aus der Eihaut befreit hat.

 

Tragzeit

Die Tragzeit beträgt normalerweise 68 Tage (67 – 72 Tage).

 

Trächtigkeit

Eine Trächtigkeit sieht man den Säuen erst ab der 4- 5.Trächtigkeitswoche an, ab hier geht ihr Gewicht steil aufwärts und der Bauch nimmt Rundungen an den Seiten an.

Erst 3 Wochen vor Geburt fühlt man die ersten Kindsbewegungen im Bauch. Man fühlt die Tritte, Drehungen und das Zähneknirschen der Babys durch sanftes Abtasten der Bauch­seiten. Der Bauchumfang der Sau kann beträchtliche Ausmaße annehmen, zudem nehmen Säue in der Tragzeit teils bis zu einem Drittel (oder sogar mehr) des eigenen Körpergewichts zu!

 

Trächtigkeitstoxikose

Die Trächtigkeitstoxikose oder auch Gestationsketose, ist eine Leberstoffwechselentgleisung während der Tragzeit. Eine Fettleber liegt dieser Erkrankung zugrunde. (siehe hierzu auch „Leberverfettung“ auf der Seite „Krankheiten“) Leberverfettung entsteht u.a. durch falsche Ernährung (zu energiereich) und Übergewicht, Umweltgifte (Schadstoffe), Medikamente, Vitaminmangel und Giftstoffproduzierende Krankheitserreger (auch Schimmelpilzgifte). Verfettete Organe können nur noch eine verminderte Leistung erbringen, wobei ihnen aber gerade in der Trächtigkeit Höchstleistungen abverlangt werden. Im letzten Trächtigkeitsdrittel, in der die Gewichtskurve und die Aktivität der Früchte tgl. immens ansteigen, ist der Energiebedarf für die Mütter und deren ungeborenen Babys am höchsten. Dies ist die kritischste Zeit, in der sich durch eine energetische Unterversorgung eine Trächtigkeitstoxikose entwickeln kann. Ist die Energiezufuhr zu gering, greift der Körper zwecks Energiegewinnung auf seine Fettdepots zurück, letztendlich kommt es zu einer krankhaft gesteigerten Fettmobilisation (Fett wird zur Leber transportiert, um dort in leicht verfügbare Energie umgewandelt zu werden). Beim Ab- und Umbau zu Kohlenhydraten jedoch entstehen giftige Stoffwechselabfallprodukte, die aufgrund der in Mitleidenschaft gezogenen Organe nicht mehr ausreichend abgebaut werden können und somit zur Vergiftung des Tieres führen.

Bei der eintretenden Azidose (Störung des Säure- Basenhaushaltes, mit pH- Verschiebung zur sauren Seite hin) entstehen in der Leber aufgrund des gestörten Kohlenhydrat - und Fettstoffwechsels "Ketonkörper", die über den Urin (feststellbar mittels Urinteststreifen) ausgeschieden und in Form von Aceton über die Lunge abgeatmet (Atemluft riecht süßsäuerlich) werden. Die Säureausscheidungskapazität der Nieren kann erschöpfen, es kommt zu Urin - pH- Verschiebungen  von normal 9 auf 5 - 6 (messbar per Urinteststreifen). 

Durch anhaltenden Hungerzustand kann es auch zu einer Übersäuerung des Darmes mit Verschiebung der Darmflora kommen. Als Folge können pathologische Krankheitserreger leichter bzw. ungehindert die Darmwände passieren und den Organismus  überschwemmen, was das schon dramatische Krankheitsbild noch zusätzlich erschweren kann.

Es hat sich gezeigt, dass meist übergewichtige Meerschweinchen dem erhöhten Risiko, eine Trächtigkeitstoxikose zu bekommen, ausgesetzt sind. Sicher kann beschriebene Energiemangelsituation auch bei Müttern auftreten, die einen sehr großen Wurf u. / o. sehr große Früchte erwarten, da aufgrund der massiven Verdrängung von Magen und Darm keine ausreichende Nahrungsaufnahme mehr möglich ist. Dem könnte man entgegenwirken, indem man in der 2. Trächtigkeitshälfte die Kraftfutterration erhöht, um möglichst viel Energie in konzentrierter Form Platzsparend zuzuführen.

Es sollten grundsätzlich nur schlanke Weibchen zur Zucht eingesetzt werden, was u.a. eine angepasste Fütterung je nach Leistung voraussetzt. Keine langen Zuchtpausen für Weibchen, die zu Übergewicht neigen und entsprechend weniger Kraftfutter während der Zuchtpausen füttern.

Eine zu energiereiche / kohlenhydratreiche Fütterung mit viel Getreide und auch kohlenhydratreichem Saftfutter sollte schon im Vorfeld vermieden werden.

Auf ausreichende Zufuhr von Rohfaser ist grundsätzlich zu achten! Ein gutes Heu sollte in beliebiger Menge tgl. zur Verfügung stehen, der Rohfasergehalt im Kraftfutter sollte bei 10 – 14 % liegen.

Am geeignetsten neben viel Heu ist die Fütterung von Wiesengrün und etwas getreidearmen Kraftfutter. Möhren und Blattgemüse sind geeignet, während sonstiges kohlenhydratreicheres Obst und Gemüse eher etwas sparsamer gefüttert werden sollten.

Faktoren, die eine Trächtigkeitstoxikose begünstigen:

  • Übergewicht durch falscheErnährung (zu energie- bzw. kohlenhydratreich) und Veranlagung, sowie Bewegungsmangel.

Abhilfe: Leistungsorientierte Fütterung für alle Meerschweinchen im Bestand anstreben. Die Energiezufuhr nur bei trächtigen Weibchen ab der 2. Trächtigkeitshälfte und bei Weibchen während der Säugezeit erhöhen. Ausreichende Bewegungsmöglichkeiten sind ebenso wichtig, nicht nur für die Zuchtweibchen.

  • Stress (z.B. Umsetzten der Weibchen in andere Gruppen während der Tragzeit, Besitzerwechsel trächtiger Weibchen, Aufregung, enge Besatzdichte im Käfig)
  • Futterumstellungen während der Tragzeit (insbesondere bei Wechsel der Kraftfuttersorte)
  • Vit.C- Mangel

Abhilfe: Auf eine ausreichende tgl. Vit. C- Versorgung, besonders während der Trächtigkeit, achten.

  • Infektionskrankheiten mit Futterverweigerung
  • Schimmelpilzgifte (z.B. sporenhaltiges Heu) und andere Schadstoffe (Gifte aus Umwelt, Medikamente, Schadstoffe in Futtermitteln)

Symptome:                                                      Die Stoffwechselentgleisung tritt bei den Säuen schleichend ein und ist bereits schon weit fortgeschritten, wenn sich die ersten Symptome erkennen lassen.

  • Erstes Frühwarnsymptom ist plötzlicher, drastischer Gewichtsverlust innerhalb der letzten 3 Trächtigkeitswochen. Daher sind regelmäßige Gewichtskontrollen für Zuchtweibchen extrem wichtig!
  • Geringe Gewichtsverluste von 20- 30gr kommen auch bei normalen Schwangerschaften vor. Bei Toxikose können die Säue jedoch 50- 100gr und mehr verlieren. Die Tiere fressen trotz dieses Gewichtsverlustes in diesem Stadium noch normal. Sobald jedoch ein Gewichtsverlust von mehr als 30g festgestellt wird, sollte Glukose umgehend zugeführt werden, da dies, nach meinen Erfahrungen, die einzige Möglichkeit ist, die fortschreitende Stoffwechselentgleisung noch rechtzeitig zu stoppen.
  • Bleibt der Gewichtsverlust unbemerkt und unbehandelt, stellt sich früher oder später ein leichtes Sträuben der Kopfhaare ein und die Weibchen sind beim Fressen sichtlich wählerischer.
  • Man kann in einem bereits fortgeschrittenerem Stadium ein „Kopfnicken“ beim Körner fressen beobachten, sowie ein Zurückziehen der Oberlippe nach hinten, so als hätte sich ein Korn in der Wange eingeklemmt, schließlich werden die Körner wieder ausgespuckt. Diese Kaustörungen führen auch zu Problemen bei der Heuaufnahme und später auch der Grünfutteraufnahme.
  • Schluckstörungen kommen hinzu, die sich anfangs in hörbaren, schnalzenden Schluckgeräuschen äußern.
  • Trotz Interesse am Futter wird die Nahrungsaufnahme aufgrund zunehmender Schwierigkeiten beim Abschlucken letztendlich resigniert aufgegeben bzw. ganz eingestellt. Die Tiere beginnen zu speicheln (nasses Kinn) und zeigen Würgreiz, wenn man versucht, ihnen Medikamente oder Futterbrei oral einzugeben. Eine Behandlung in diesem Stadium der Erkrankung kommt meist schon zu spät!
  • Alle Bewegungsabläufe verlangsamen sich. Ein normales Laufen wird unmöglich. Die Hinterhand wird zwecks Fortbewegung nur noch plump herum gewuchtet. Manchmal wird der Kopf am Boden abgestützt.
  • Verdauungsstörungen, wie breiartiger Kot, können sich einstellen.
  • Die Feten werden spürbar träger, weil sie vom eintretenden Energiedefizit und der eintretenden Stoffwechselvergiftung mit betroffen sind. Vorzeitiges Absterben der  Früchte kommt vor. Totgeburten oder Geburtsstockung drohen. Lebend geborene Junge sind meist sehr schwach, zittrig, untergewichtig, unterzuckert und sterben in den meisten Fällen.

Behandlungsmaßnahmen:                                                                 Bei allen trächtigen Weibchen regelmäßig das Gewicht kontrollieren, in den letzten 4 Wochen vor der Geburt alle 3 Tage. Sollte sich ein drastischer Gewichtsverlust zeigen u./o. ein wählerisches Verhalten beim Fressen beobachten lassen, muss sofort mit der Zufütterung von Brei, unter Zugabe von Glukose, begonnen werden, denn nur dann besteht die Chance auf Heilung!

Für den Brei: Kraftfutter und Heu mit einer Kaffeemühle fein mahlen, etwas Babykost (Obst / Gemüse) zugeben, tgl. eine kl. Prise Ascorbinsäure (Vit.C) zugeben und das Ganze mit Wasser, Tee oder mit einer „Elektrolyt- Glukose- Lösung“ (z.B. Amynin oder Lectade) anrühren. Enthält das Elektrolyt- Glukosegemisch keinen Vit.-B- Komplex, sollte man dieses Vitamin noch zusetzen.

Mindestens 3 – 4 x tgl. 10 - 20ml. füttern und zwar so lange, bis die Sau wieder von allein alles frisst. Dies kann u.U. bis über die Geburt hinaus andauern.

Medikamentöse Versorgungsmöglichkeiten:

  • Energiedefizit ausgleichen - hierzu geeignet sind Elektrolyt – Aminosäure – Glukose - Lösungen, wie z.B. Amynin - Infusionslösung (kann auch oral gegeben werden) oder Lectade- Pulver , ein Elektrolyt- Glukosegemisch (Lösung muss angerührt werden aus 2 separaten Pulver- Beutelchen). Amynin hat den Vorteil, dass es bereits Vitamin B- Komplex enthält und ohne große Mischerei sofort gebrauchsfertig ist. Ca. 8 ml Amynin werden über den Tag verteilt eingegeben.
  • Leberschutz - Ein Mariendistel- Präparat
  • Vitaminversorgung- tgl. 1 Prise Vitamin C- Pulver und tgl. 2- 3 Trpf. Vit. B- Komplex (z.B. Polybion N- Trpf.)
  • Durchfallbehandlung- Bird- Bene- Bac- Paste oder Pulver (Fa. Albrecht) oder eine andere Bakteriensuspension zum Aufbau der gestörten Darmflora (Alternative: Eingeben von Fremdkot gesunder Meerschweinchen), plus Stullmissan- Pulver (mineral- und kräuterhaltig, gg. Durchfall)  oder Kohle  -Compretten.
  • Stabilisierung des Blutzuckerspiegels  - Die Gabe von Steroiden durch einen Tierarzt kann versucht werden. Eine englische Tierärztin und Autorin des Buches "Diseases of Domestic Guinea Pigs" empfiehlt hier Betamethason 0,1- 0,2 ml s.c. oder i.m. oder Dexamethason 0,1ml i.m.. Steroide sollen jedoch nicht in der frühen Trächtigkeit verabreicht werden, da es zu Abnormität der Feten führen kann, in der Spätschwangerschaft besteht Abort - Risiko.Der Wirkungseffekt des Medikamentes und die Rettung des Muttertieres sind hier jedoch von überwiegenderer Wichtigkeit.
  • Antibiotika - sind in Einzelfällen erforderlich, wenn Anzeichen einer Infektion hinzukommen.

 

Übertragung

Trägt eine Mutter länger als 72 Tage, beginnt die kritische Phase einer Übertragung.

Oft liegt die Ursache einer Übertragung bei sehr großen Früchten. Die Funktionsfähigkeit der Mutterkuchen ist von Natur aus nur für eine bestimmte Zeit ausgelegt, sie beginnen bei Übertragungen zu überaltern und können dann zu Versorgungsstörungen mit Sauerstoff führen u./o. zum gänzlichen Gewebsuntergang der Plazenta und damit zum Absterben der Früchte. Erschwerte Geburten bzw. Geburtsstockung, Wehenschwäche, Totgeburten mit grünlich verfärbtem Fruchtwasser, drohen.

Bevor man über eine Geburtseinleitung mit Wehenmitteln nachdenkt, sollte man sich des errechneten Geburtstermins absolut sicher sein! Weiterhin sollte man bedenken, dass die Reifungsdauer der Früchte bei Meerschweinchen recht unterschiedlich sein kann und die Babys evtl. tatsächlich mal etwas länger für ihre Entwicklung benötigten als andere.

Das Muttertier gut beobachten, auf rege Kindsbewegungen achten. Wenn der Verdacht auf Riesenbabys besteht, sollte man die Mutter evtl. röntgen lassen.

Aufgrund genannter Unsicherheiten alle erforderlichen Maßnahmen unbedingt mit dem Tierarzt absprechen.

 

Unfruchtbarkeit, siehe Fruchtbarkeitsstörungen

Uterus, siehe Gebärmutter

 

Wachstumsstörungen

  • Wachstumsstörungen der Jungtiere treten häufig bei Infektionen auf, die nicht unbedingt immer gleich bemerkt werden, oft aus Mangel an sichtbaren Symptomen.
  • Auch wenn Jungtiere mit Medikamenten behandelt werden müssen, kann sie dies in ihrer Entwicklung vorübergehend zurück werfen. Sobald die Ursache (Krankheit, Ende der Behandlung) behoben ist, nehmen die Jungtiere wieder an Gewicht + Größe zu.
  • Angeborene Organschäden (z.B. Herzfehler, Störung der Nebennieren oder Organ- Mißbildungen), besonders auch bei Fehlfunktionen der Hormonproduzierenden Drüsen (z.B. Schilddrüse, Hirnanhangdrüse) können eine Ursache sein.
  • Weitere mögliche Ursachen sind: Mangel an bestimmten Aminosäuren, Mineralien, Spurenelementen oder Vitaminen ...siehe dazu unter Ernährung)
  • Fehlender Saugtrieb, fehlende Schneidezähne (oder andere Kiefer- / Gaumenfehlentwicklungen), können zu Entwicklungsstörungen führen, wenn sie unentdeckt bleiben.

Leider ist die genaue Ursache nicht immer zu ergründen und die Jungen mit Wachstumsstörungen zeigen sich trotzdem oft lebenslustig und ganz normal im Verhalten.

Erfahrungsbericht zum Thema:

1.) Eines meiner Jungtiere, welches völlig gesund aussah, gut fraß und sich anfangs normal zu entwickeln schien, stagnierte mit seinem Wachstum auf der Größe eines 6- wöchigen Jungtieres und starb ohne Symptome urplötzlich im Alter von 3 Monaten. Ursache unbekannt.

2.) Mir wurde ein fast totes, neugeborenes Böckchen gebracht (24 Std. alt, bis dato noch ohne jegliche Flüssigkeitszufuhr), der von seiner viel zu jungen Mutter nicht angenommen worden war. Wir nannten ihn „Krümel“.

Krümel zeigte deutliche Wachstumsverzögerungen, vermutlich weil er während der Handaufzuchtsphase schon gleich zu Beginn unter Verdauungsstörungen, Blausucht + Blähbauch litt (Kot in Kette aneinanderhängend),1 x eine Blasenentzündung durchmachen musste (mit Antibiotika behandelt) und mit dem Blähbauch auch noch etwas länger zu kämpfen hatte. Im Alter von 4 Wochen wog er 170g (Geburtsgewicht 88g). Er überstand genannte Erkrankungen gut, begann danach etwas langsamer als normal, aber stetig zu wachsen und zuzunehmen, war sehr lebhaft und wir dachten, er sei über den Berg. Im Alter von ca. 3 Monaten starb er -für uns alle unerwartet- urplötzlich über Nacht ohne vorherige Symptome. Eine Obduktion ergab keinerlei Befund. Es hieß, er wäre organisch völlig gesund gewesen.

 

Wehenschwäche

Mögliche Ursachen einer Wehenschwäche sind Beckenanomalien, unzureichend Weitgestellte Geburtswege, Gebärmutterüberdehnung, Übergewicht und Hindernisse (falsche Lage der Babys, missgebildete Babys, tote starre Babys, Riesenbabys), welche die Austreibung erschweren, so dass die Wehen übergangen werden und Ermüdung eintritt. Kalziummangel kann eine Wehenschwäche bedingen, da es bei den Wehen für die Muskelarbeit benötigt wird. Es handelt sich bei der Wehenschwäche um eine lebensbedrohliche Komplikation, sollte die Geburt deshalb ausbleiben. Lebende Junge können absterben und nach 6 – 12 Std. kann ein Zersetzungsprozess eintreten. Weiterhin besteht durch den lange geöffneten Muttermund die Gefahr einer Sepsis. Demzufolge sofort zum Tierarzt !

 

Zittern, Jungtiere

Sehr kleine + schwache Junge, meist auch zu früh geborene Babys zeigen Zittrigkeit. Zittern bei Neugeborenen kann man auch beobachten, wenn sie unterzuckert geboren wurden, aufgrund gesundheitlicher Probleme des Muttertieres während der Tragzeit und eines damit im Zusammenhang eingetretenen Energiedefizits. Zittern wird manchmal auch als Symptom bei verschiedenen Infektionskrankheiten (z.B. Klebsiellen, Pasteurella multocida, Streptokokken) beschrieben. Normal ist das Kältezittern, zusammen mit gesträubten Haaren zu beobachten, wenn es einem Meerschweinchen zu kalt ist.        

 

Zitzen, blutig oder entzündet

Blutig gebissene oder rote, entzündete Zitzen sind sehr schmerzhaft für das Weibchen, weshalb es u.U. versucht, seine Jungen am Saugen zu hindern. Dies kann bei Weibchen vorkommen, die einen sehr großen Wurf aufzuziehen haben und evtl. auch für die Anzahl der Babys nicht genügend Milch produzieren.

An eine Infektion der Zitzen durch Hocken auf unsauberer Einstreu oder durch die Jungtiere als Überträger muss ebenfalls gedacht werden.

Zur Behandlung dürfen nur Salben verwendet werden, die den Babys nicht schaden, wenn sie diese zwangsläufig beim Trinken mit ablecken. Kamillensalbe, mehrmals tgl. wäre geeignet. Gänzlich ungeeignet sind z.B. Lebertransalben, da diese extrem hohe Mengen an Vitamin A- und D beinhalten und somit zu einer Vitaminvergiftung führen könnten.

Falls möglich, sollte man so viele Jungen wie möglich einer Amme untersetzen, um eine weitere Verschlimmerung zu vermeiden.   

Die Jungen so früh wie möglich (möglichst nicht vor 2 ½ Wochen) von der erkrankten Mutter absetzen. Da als Komplikation eine Brustdrüsenentzündung entstehen kann, sollte das Muttertier besser einem Tierarzt vorgestellt werden.

 

Zucht

bedeutet die mit Hilfe der Erkenntnisse der Vererbungslehre zielbewusst durchgeführte Verbesserung vom Züchter erwünschter Eigenschaften. Um ein gewünschtes Ziel zu erreichen, wird sich meist der Linienzucht und letztendlich der Selektion (Zuchtauslese) bedient oder macht bei Neuzüchtungen u.U. auch Kreuzungen verschiedener Rassen / Farbschläge erforderlich.

 

Zuchtbuch

Das Führen eines Zuchtbuches ist für jeden Meerschweinchen- Halter empfehlenswert. Über jedes einzelne Tier wird darin genau Buch geführt.

Folgende Notizen sollten darin nicht fehlen:                                   Name, Alter, Geburtsdatum, Abstammungsnachweis, Gewichtsverlauf, Verpaarungen, Würfe (mit Wurfdatum + Beschreibung der Nachkommen, Angabe des Vaters), Krankheiten und Behandlung (Nennung der Medikamente und Krankheitsverlauf, Erbkrankheiten), Fütterung und Futterumstellungen dokumentieren, Tod und Todesursache usw..

 

Zuchtpausen

Den Weibchen wird nach jeder Geburt eine gewisse Zuchtpause gegönnt, die so lange währt, bis die ursprüngliche Kondition zurückerlangt ist. Dies kann bei jeder Sau völlig unterschiedlich sein, denn die einen neigen zu raschem Fettansatz und brauchen deshalb recht kurze Pausen, andere wiederum zehren durch Geburt und Säugezeit so aus, dass sie wesentlich längere Pausen brauchen, bis sie regeneriert sind.

Bei zu langen Zuchtpausen riskiert man u.U. eine Verfettung der Sau, wodurch diese nachher auch Probleme beim Aufnehmen bekommen kann. Ideal sind im 1. Lebensjahr 1 Wurf, danach 2 – 3 Würfe im Jahr.

 

Zuchtreife

Aus den biologischen Daten ist ersichtlich, dass man Säue erstmals ab einem Alter von mindestens 4- 5 Monaten zur Zucht zulassen sollte, aber auch nicht viel später, da im Alter von 8 Monaten bereits der Beckenring beginnt zu verknöchern und er damit an Elastizität verliert, was letztendlich zu gewissen Geburtsrisiken wie Geburtsstockungen führen kann. Ein Bock wird erst in reiferem Alter erstmals zur Zucht zugelassen, da er ein gewisses Quantum an Größe, Kraft und Selbstbewusstsein benötigt, um sich beim weiblichen Geschlecht durchsetzen zu können und damit er nicht allzu schnell entmutigt wird, durch unsanftes zurückweisen der Säue, die Jungböcke manchmal noch nicht so recht akzeptieren wollen.

 

 

KrankheitenHomeRassekunde